Rund um die Frankfurter Musikmesse ist in den letzten Jahren einiges in Bewegung gekommen. Die Veranstaltung ist seit geraumer Zeit dabei, ihre Identität neu zu definieren. Wohin die Reise führen wird, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen.

Business und Emotion, zwei Dinge, die einander mitunter ausschließen. Wenn es ums Geschäft geht, gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die nackten Zahlen lassen oft wenig Raum für intuitive Gefühle aus der Bauchgegend. Dazu stehen heute viele Branchen viel zu sehr unter Druck. Statt auf Risiko setzt man lieber auf die sichere Bank – solange die noch da ist.

Auch der Musikmarkt war in den letzten Jahren vor allem durch eines gekennzeichnet: stetigen Wandel, der zum Teil an die Substanz geht. Die Digitalisierung ist auch hier der wesentliche Treiber eines fundamentalen Umbruchs.

Wenn sich Märkte ändern, kann man das auch an jenen Messeformaten ablesen, die diese Märkte bedienen. Gewandelt hat sich daher auch das Erscheinungsbild der Musikmesse in Frankfurt. Da kann man sich vieles wünschen. Was sich letztlich auf dem Messegelände manifestiert, bestimmen einzig und allein die Aussteller.

Denn wenn es um emotionale Messeauftritte geht, sind die Aussteller gefordert. Fehlt es da an Bereitschaft, merkt man das freilich auch in den Messehallen. Da wird rasch klar, dass man sich von den verklärten Erinnerungen, an frühere Ausgaben der Musikmesse, endgültig verabschieden muss. Keine Frage: die Branche schwächelt.

Musikmarkt im Wandel – die Messe ebenso

Seit Jahren bemühen sich die hessischen Messemacher, die Veranstaltung an die Gegebenheiten und Notwendigkeiten des Musikmarkts anzupassen – und da stehen die Zeichen nicht unbedingt auf Wachstum. Und so wird die Musikmesse immer mehr zu einer fokussierten Business-Plattform. Die kommt auch gut ohne emotionale Auftritte vieler großer Hersteller aus. Manch einem Besucher mag das zwar mitunter Unbehagen bereiten, bei einem Großteil der Aussteller dürfte der derzeitige Weg aber ankommen. Zumindest hört man das aus dem Umfeld der Messemacher.

Mit dem neuen Konzept der „Circle Stages“ (siehe Hauptfoto) versucht man auf der Musikmesse Aussteller und Besucher näher zusammenzubringen. Hier warten Workshops und Vorführungen mit Szenegrößen wie Schlagzeugerin Anika Nilles, Bass-Wizard Marco Mendoza oder Ex-„The Who“-Keyboarder John „Rabbit“ Bundrick. Auf den neuen „Circle Stages“ präsentieren Aussteller Event-Highlights direkt in den Hallen. Abends organisiert die Messe Frankfurt gemeinsam mit Unternehmen der Branche außergewöhnliche Konzerte auf den „Circle Stages“.

Freilich, der Doppelpack mit der Prolight + Sound ist eines der großen Assets am Main. „The Global Entertainment Technology Show“ findet zeitgleich mit der Musikmesse statt. Was Sinn macht, denn Musikmachen und Veranstaltungstechnik sind untrennbar miteinander verbunden. Die Messe Frankfurt bringt die Themenfelder auf einen Nenner und generiert so Synergien für Aussteller und Besucher.

Größtes Musikmesse-Festival aller Zeiten

Das kann man vor Ort auch live erleben. Nicht nur in homöopathischen Dosen, sondern die volle Ladung. Denn in das Angebot der Side Events rund um die Musikmesse steckt die Messe Frankfurt nicht nur viel Herzblut, sondern auch einiges an Budget. Da wundert es nicht, dass das Musikmesse-Festival 2019 das größte aller Zeiten ist.

„5 Tage, 50 Locations, 100 Acts“ lautet die Devise. Darunter zahlreiche Highlights wie Auftritte von Samy Deluxe, Pop-Rock-Legende Tony Carey in der eigens errichteten Festival-Arena, ein exklusives DJ-Set von Mousse T. und Glasperlenspiel sowie das Abschlusskonzert von Gregory Porter und der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Wohin geht die Reise?

Ist das vielleicht ein möglicher Zukunftsweg für die Musikmesse: Ein Musikfestival im Zentrum und die Messe selbst wird zum „Nebendarsteller“? Mitunter, denn man spürt ein Ungleichgewicht der Kräfte, wie uns Michael Biwer, Bereichsleiter Entertainment, Media & Creative Industries (Musikmesse / Prolight + Sound), bestätigt: „Die Contentplattform, als das Musikmesse-Festival nimmt einen viel stärkeren Zug an, als die Ausstellerplattform. Die ist etwas rückläufig. Obwohl dieser Content perfekt zur Ausstellerseite passen würde. Das Problem ist nur, dass damit andere Besucherstrukturen erscheinen. Damit ist das klassische Messesystem ausgehebelt und wir müssen das anders denken. Nachdem sich die Plattform Business wahrscheinlich weiter verändern wird, werden vielleicht neue Partner, neue Player auftauchen, die das anders bewerten. Wir haben zum Beispiel heuer das ,Sample Music Festival‘, das ,Music Tech Fest‘ oder die Vintage-Leute hier. Das sind alles so Sachen, die gab es vorher bei uns gar nicht“, sagt Biwer. „Die sind neu dabei, weil sie wissen, durch die Veränderung sind wir vom Musikinstrument zum Musik machen gekommen. Das eigentlich der Weg, den wir im Moment ganz konsequent weitergehen.“ Ein ausführliches Interview mit Michael Biwer lesen Sie übrigens in Messe & Event, Ausgabe 3/2019.

Zwei Messen terminlich gleichgeschaltet

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass ganz Frankfurt während der Laufzeit des Messedoppels zur Bühne wird. Heuer hat man darüber hinaus die Tagesfolge bei der Musikmesse und Prolight + Sound von 2. bis 5. April komplett synchronisiert. Außerdem sind die beiden Veranstaltungen auch räumlich stärker zusammengewachsen. Das, was der eine oder andere vielleicht an impactstarken Messeständen auf der Musikmesse vermissen mag, macht die Prolight + Sound mit echten Gustostücken, wie dem Jubiläumsstand von Robe, mehr als wett. Das Unternehmen feiert 25 Jahre und inszeniert sich in Themenparkqualität.

Spannend wird heuer auch der Samstag. Die neue Musikmesse Plaza präsentiert ein innovatives Veranstaltungskonzept, das ganz auf Musiker und Musikbegeisterte abzielt. Erstmals realisiert die Messe Frankfurt gemeinsam mit Partnern aus der Kreativbranche einen Pop-up Market. In vielfältigen Themenwelten von Vintage-Instrumenten über Tonträger bis hin zu Merchandising können Unternehmen ihre Produkte nicht nur ausstellen, sondern auch direkt an Endverbraucher verkaufen.

Aus Österreich waren 2019 folgende Unternehmen auf der Musikmesse und prolight + sound am Start: A.T.C. GmbH, Austrian Audio GmbH, AV Stumpfl GmbH, BRASSEGO Haagston, explo GmbH, fun.music IT GmbH, KVO Klaviermacherverband Österreich, L. Bösendorfer Klavierfabrik GmbH, LDDE Vertriebs GmbH, Ludwig DOBLINGER KG, MAXTON GmbH, MT-Electronic eU, Musikwissenschaftlicher Verlag, PetzKolophonium Vienna e.U. Kögl Rudolf, Philipp Rhomberg, Plaspack Netze GmbH, Rudolf Novak Musikinstrumenteerzeugung, strolzevents GmbH, Thomastik-Infeld GmbH, TK-Design und Entwicklung e.U., Tüchler Bühnen- & Textiltechnik GmbH, UCM GmbH, Universal Edition AG, Wiener Urtext Edition GesmbH & Co. KG, zactrack GmbH

Foto: © Messe Frankfurt Exhibition GmbH/Petra Welzel

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