Konstruktive Gesprächsrunden statt zielloser Endlosdiskussionen. Die Qualität vieler Veranstaltungen hängt stark vom Können des Moderators ab. Michaela Stach erklärt in ihrem neuen Buch, wie man immer Herr der Lage ist.

Michaela Stach ist seit 1995 Unternehmerin. Ihr Hintergrund sind die Bereiche Coaching, Change Management, Moderation und Großgruppenmoderation. Aktuell spezialisiert sie sich auf die Systemische Moderation und gründete 2011 die Akademie für Systemische Moderation. Hier finden 5-modulige Zertifikatsausbildungen und offene Aufbauseminare statt. Michaela Stach führt darüber hinaus selbst Moderationen und Großgruppenmoderationen durch und vermittelt ihr Know-how in Inhouse-Seminaren. Aktuell ist ihr neues Buch „Agil moderieren: Konkrete Ergebniss statt endloser Diskussion“ bei BusinessVillage erhältlich.

Michaela Stachl, 29.03.10, Foto Edgar Layher © Copyright by Edgar Layher, Veröffentlichung nur gegen Honorar, Urhebervermerk und Beleg.

Michaela Stach, 
© Copyright by Edgar Layher

Messe & Event: Frau Stach, wie wurden Sie zur Moderationsexpertin?
Michaela Stach: Das ist eine gute Frage. Um diese zu beantworten, muss ich allerdings ein wenig ausholen: Während meiner Tätigkeit als Systemischer Business Coach, Trainerin und Organisationsentwicklerin war ich immer häufiger in die Begleitung von Veränderungsprozessen involviert. Diese Rolle der moderierenden Prozessbegleiterin hat mir gut gefallen. Und so habe ich mehrere spezielle Fortbildungen besucht, um mich für die unterschiedlichsten Moderationssituationen noch weiter zu qualifizieren und meinen Fokus vermehrt darauf zu richten. Ich war für zahlreiche Unternehmen, aber auch Institutionen im Non-Profit-Bereich als Moderatorin tätig. Und dann beim Bergwandern im Salzburger Land kam die Erkenntnis: „Moderationskompetenz gehört nicht nur ins Leistungsportfolio selbstständiger Moderatoren und Prozessbegleiter, sondern auch in die Unternehmen selbst!“

Warum ist Moderation für Unternehmen so wichtig?
Führungskräfte haben permanent die Aufgabe, Meetings zu leiten und im Team tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Und genau hierfür gab es auf dem Weiterbildungsmarkt keine spezifische Ausbildung! Wie ich ja bereits beschrieb, hatte ich selbst mein Know-how aus zahlreichen unterschiedlichen Weiterbildungen gesammelt und verknüpft. Also beschloss ich, diese noch nicht existierende Ausbildung selbst zu entwickeln. Gesagt, getan. Im März 2012 ging die erste Ausbildung zum Systemischen Moderator an den Start. Und das Konzept geht bis heute auf. Die Teilnehmer reisen über die Grenzen Deutschlands hinaus an. Im September 2016 können wir unser erstes Jubiläum feiern, denn dann beginnt bereits die 10. Ausbildung.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich meine heutige Expertise aus unterschiedlichen Bausteinen zusammengefügt hat. Hierzu gehören die zahlreichen Weiterbildungen, die eigene Moderationserfahrung in unterschiedlichsten Unternehmen und Institutionen, die Entwicklung der Ausbildung zum Systemischen Moderator und die Durchführung der Ausbildungen mit vielfältigen Teilnehmern sowie zahlreiche Inhouse-Seminare zur Systemischen Moderation. Und seit März 2016 gibt es diese Expertise auch „zwischen zwei Deckeln“, denn da ist mein Buch „Agil moderieren – konkrete Ergebnisse statt endloser Diskussion“ erschienen.

Was sind die Herausforderungen für einen Moderator bei Diskussionsrunden?
Es ist die grundlegende Aufgabe des Moderators, eine Gesprächsrunde konstruktiv zu führen, ohne ins Thema einzugreifen. Er ist damit verantwortlich für den Moderationsprozess, nicht für den Inhalt. Das kann schnell mal zur Herausforderung werden. Insbesondere dann, wenn der Moderator nicht von außen kommt, sondern z. B. als Führungskraft durch eine Besprechung führt. Deshalb gilt es genau hinzuschauen: „Welche Themen kann ich als Führungskraft moderieren – welche nicht?“

Welchen Beitrag kann ein Moderator zu einer Debatte leisten? Wie kann man sich die Vorbereitungen vorstellen?
Da der Moderator nicht für den Inhalt verantwortlich ist, liegt sein Beitrag zur Debatte auch nicht im Bereich der Antworten, sondern vielmehr im Bereich der Fragestellung. Dementsprechend sieht auch die Vorbereitung aus. Um die richtigen Fragen stellen zu können, muss ich mich zunächst mit der Zielsetzung beschäftigen. Ein weiteres Kriterium, das leider viel zu oft vergessen wird, sind die Rahmenbedingungen. Hierzu gehören beispielsweise bereits feststehende Entscheidungen, auf die die Teilnehmer keinen Einfluss haben (strategische Unternehmensentscheidungen, Budget etc.). Nur wenn sich die Moderation im Beeinflussungsgrad der Diskutierenden bewegt, können auch umsetzbare Lösungen entstehen. Und dann geht es natürlich um die Fragen selbst. Diese sollten immer wieder zum Wechseln der Perspektive und zum NEU-Denken inspirieren. Kluge und zielführende Fragen zu stellen, ist die Kernkompetenz des Moderators.

Wie reagiert ein Moderator, wenn sich jemand nicht leiten lassen möchte oder sogar aggressiv wird?
Am besten, es kommt gar nicht erst so weit. Und dafür kann der Moderator jede Menge tun! Die wichtigste Basis ist hier die oben angesprochene Betrachtung von Ziel und Rahmenbedingungen. Diese müssen nicht nur dem Moderator, sondern auch den Teilnehmern bekannt sein. Dann lassen sich die Teilnehmer meist auch gerne mit auf den Weg nehmen. Unklarheiten und Alibimoderationen sind der beste Nährboden für Konflikte. Kommen Aggressionen ins Spiel, verbergen sich zumeist verletzte Bedürfnisse dahinter. Diese gilt es ernst zu nehmen und herauszuarbeiten. Erst wenn bekannt ist, was dem Teilnehmer wirklich wichtig ist, lassen sich auch kritische Situationen lösen.

Haben Sie auch Erfahrungen im Eventsektor? Worauf kommt es da an?
Ich moderiere regelmäßig Veranstaltungen zu beruflichen Themen, die sich vom jahrelang praktizierten Dreiklang „Vortrag – Fragen – Häppchen“ verabschiedet haben und nach einem kurzen Impuls auf themenspezifische Interaktion zwischen den Teilnehmern setzen. Das Feedback der Teilnehmer ist überaus positiv, denn durch die Interaktion kommt der persönliche Nutzen besser im eigenen Alltag an. Die Teilnehmer hören nicht nur das, was während des Vortrages oder der Podiumsdiskussion gesprochen wird, sondern arbeiten selbst aktiv am Thema und der praktischen Umsetzung mit. Meine Erfahrung ist darüber hinaus, dass sich Teilnehmer immer kritischer überlegen, ob und zu welchen Veranstaltungen sie gehen. Der Mehrwert muss im Vorfeld sofort deutlich werden und sich für die Besucher dann natürlich auch erfüllen. Ich führe selbst gemeinsam mit zwei Partnerinnen ein Frauennetzwerk in Stuttgart. Noch vor zehn Jahren kamen viele Frauen mehr oder weniger automatisch zu unseren Veranstaltungen. Das Thema des Abends war eher zweitrangig. Heute überlegen sie länger und wählen die Veranstaltungen bewusst aus.

Gibt es in der Moderation aktuell Trends, die zu beachten sind? Wie wirken sich neue Technologien wie Internetkonferenzen aus?
Die agile Welt macht es uns vor: Die dort üblichen Daily Stand-up Meetings setzen wieder auf Präsenz. Dabei haben diese Turbo-Meetings rein gar nichts mehr mit den verpönten Endlossitzungen zu tun. Klare Regeln, knappste Zeitvorgaben und nicht zuletzt die fehlenden Sitzgelegenheit sorgen für ein Höchstmaß an Effizienz. Einen weiteren Trend sehe ich in der großen Beliebtheit moderner Kreativmethoden. Ich warne allerdings davor, diesen Trends blind nachzulaufen. Alles muss Sinn machen. Immer.

Internetkonferenzen bieten durch die Technik heute eine gute Möglichkeit, zu einem komplexen Thema auch über Distanzen hinweg gut und zielführend zusammenzuarbeiten. Die Technik sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Moderator seiner Verantwortung, die Teilnehmer zu beteiligen und den Prozess zu steuern, genauso nachkommen muss wie beim Präsenz-Meeting. Und das ist aufgrund der räumlichen Trennung durchaus anspruchsvoll.

Wird sich die Rolle des Moderators Ihrer Meinung nach in Zukunft verändern?
Es wird sich vor allen Dingen die Anzahl der Moderierenden verändern. Ob Sie den Megatrend „New Work“ des Zukunftsinstitutes Frankfurt betrachten oder den Experten auf Kongressen zuhören: Flache Hierarchien und Mitspracherecht sind Schlagworte, die den Führungsalltag von morgen prägen werden. Zu den ausgewiesenen Moderatoren werden immer mehr professionell moderierende Führungskräfte und Projektleiter hinzukommen.

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