Veranstalter bieten immer öfter Software-Programme an, die Ausstellern und Besuchern auf ihren eigenen Mobilgeräten die Planung, Organisation und Orientierung erleichtern. Dazu gesellt sich eine Vielzahl freier Angebote, unter denen für alle Ansprüche
etwas dabei sein sollte.

Messen und Events sind der Inbegriff direkten Erlebens und der menschlichen Begegnung auf Augenhöhe samt der sprichwörtlichen Handschlagqualität. Oft totgesagt, haben sich solche Treffpunkte bislang durch keine noch so aufwendige virtuelle Lösung erschüttern lassen. Im Gegenteil: Je mehr Virtualität in den Alltag einzieht und damit zur Norm wird, desto stärker wird der Wunsch nach echtem Erleben.

Das bedeutet natürlich keineswegs, dass solche Veranstaltungen technisch nicht auf der Höhe der Zeit sind. Längst sind in der Organisation und im Ablauf digitale Lösungen im Einsatz, die sich bisweilen nicht auf den ersten Blick erschließen. Die spannende Frage dabei ist: Wie lässt sich der Besuch möglichst erlebnisreich und doch effizient gestalten? Als eine weitere ­Triebfeder der Digitalisierung ist das wachsende Programm der Großveran­staltungen zu sehen, welches sich rein analog kaum noch veranschaulichen, geschweige denn verwalten lässt. Obwohl Visitenkarten, Filofax und Schreibwerkzeug also noch lange nicht ausgedient haben, bekommen diese lieb gewonnenen Gegenstände Unterstützung durch Software, die sich auf Smartphone oder Mobilrechner installieren lässt und während des Aufenthaltes auf der Messe oder beim Event jede Menge Echtzeit-Information liefert.

Orientierung und Akquise

Während der private Messebesucher Lagepläne, Aussteller-, Veranstaltungs- und Produktverzeichnisse genauso schätzt wie der Profi, hat Letzterer darüber hinaus einige Wünsche an die Software, die bei der Verwaltung der Kundenkontakte und Kaufabschlüsse behilflich sein soll. Im Idealfall werden die neu gewonnenen ­Daten mit bereits vorhandenen Datensätzen abgeglichen und diese gegebenenfalls aktualisiert oder ein neuer Datensatz wird angelegt. Dies kann sowohl offline direkt am Endgerät erfolgen oder online am Unternehmens- oder Cloudserver. Je nach bestehender Struktur gilt es, dabei eine passende Lösung zu finden, um Vertrieb und Kundenbeziehungen nahtlos verbinden zu können.

Darüber hinaus lassen sich auch Daten aus interaktiven Messe-Apps lukrieren und mittels Big-Data-Methodik auswerten. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, um Besucherströme oder Kundenzufriedenheit zu ermitteln. Ein wichtiger Punkt dabei ist, Teilnehmer an einer solchen Aktion über ihre Teilnahme zu informieren und deren Einverständnis einzuholen, dass die Daten zu unternehmensinternen Zwecken verwendet werden. Die ­eingesetzte Lösung muss natürlich datenschutzkonform sein.

Digitales Schweizer Taschenmesser

Wie bei Software-Lösungen üblich, gilt es, den Funktionsumfang des Programms mit einer nutzerfreundlichen Oberfläche zu erschließen. Das gewinnt umso mehr Bedeutung, je mehr Funktionen in eine Messe-App integriert sind. Mittlerweile sind das viele: Neben den Standardfunk­tionen, die Ablauf und Orientierung ­erleichtern, können das auch Informa­tionen zu An- und Abreise sein, Zimmer­buchung, Stadtführer, News-­Zentrale, ­zusätzliche Inhalte, die durch so­genannte Beacons am Messestand auf­gerufen ­werden können, ja, sogar Virtual-Reality-Darstellung eines Produkts. Für alle Fälle ein passendes Werkzeug, wie man es vom Schweizer ­Taschenmesser her kennt.

Wie sinnvoll die einzelnen Funktionen sind, ist nicht nur vom Anspruch des ­Nutzers abhängig, sondern auch von ­Rechenleistung und Displaygröße des Ausgabegeräts. Einige Funktionen können auf älteren Geräten nämlich schnell die Leistungsgrenzen ausloten. Wie immer gilt: Die tatsächlichen Anforderungen bestimmen, welche Messe-App am besten passt. Oft geht Probieren über Studieren, und dabei ist hilfreich, dass auch Anbieter kommerzieller Lösungen meist Testversionen zur Verfügung stellen, um die Software unter Realbedingungen ausprobieren zu können. Ist das passende Produkt gefunden, steht dem Einsatz auf der nächsten Messe oder dem nächsten Event nichts mehr im Weg.

dMAS, das digitale Messe-Anfrage-System

Das Welser Unternehmen dMAS trägt die Beschreibung seiner Produkte schon im Namen, denn dMAS ist die Abkürzung für „digitales Messe-Anfrage-System“. Was ein bisschen unterkühlt-technisch klingt, beschreibt ein ganzes Potpourri an Programmen für professionelle Messe- und Eventveranstalter. Die dMAS-Programme sind webbasiert und laufen in jedem üblichen Browser, daher steht die Wahl des verwendeten Endgeräts weitgehend frei. WLAN am Messestand ist alles, was für den Einsatz erforderlich ist. Von der Organisation und Kundenakquise bis zu Besucherstatistik, Registrierung, Ticketing und personalisierter News-Aussendung ist für jede Situation eine Lösung vorhanden. Verrechnet wird dMAS je nach Anwendungszweck pro Nutzung oder pauschal pro Veranstaltung.

www.dmas.at

SIC! Software VERMO

VERMO steht für „VERtrieb MObil“, und damit ist der Funktionsumfang des Software-Pakets aus dem Hause SIC! auch schon hinlänglich beschrieben. VERMO will dem Messe-Aussteller alles an die Hand geben, was für Kundenakquise, Marketing und Vertrieb nötig ist. Das reicht von der Präsentation, die vor Ort das gesamte Vertriebsmaterial zur Ver­fügung stellt, über die Datenerfassung ­inklusive Scan-Funktion für Visitenkarten bis hin zu einer detaillierten Aufzeichnung der geführten Kundengespräche, aus der sich auch Statistiken für Marketing und Controlling ab­leiten lassen. VERMO ist als kundenspezifische On-Premise-Lösung mit Anbindung an die Zentralverwaltung erhältlich oder aber
als cloudbasierte Software für kleinere ­Firmen mit maximal zehn Außendienstmitarbeitern.

www.sic-software.com

snapADDY

Das Logo der Software snapADDY ziert der Kopf eines grünen Fantasiewesens, das entfernt an ein Krokodil erinnert, welches geradezu gierig darauf ist, Daten zu verschlingen. Ein durchaus beabsichtigtes Bild, denn snapADDY dient sich als Außendienst-Tool für Messen und Events an, auf denen Kundendaten in ein bereits existierendes CRM-System übertragen und mit den Stammdaten abgeglichen werden können. Dabei kommt der ­snapADDY-Grabber zum Einsatz, der Daten aus Visitenkarten, aber auch Business-Netzwerken wie XING oder LinkedIn und E-Mail-Signaturen einliest. Ein Crawler extrahiert auf Wunsch Unternehmens­daten aus dem Impressum einer Webseite, auch E-Mail-Tracking ist möglich. Der Grabber ist in der Standardversion kostenlos. Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der snapADDY Visit Report: Mit VisitReport und der zugehörigen App ­lassen sich Besucherbögen erstellen, die vor Ort ausgefüllt und direkt mit dem CRM abgeglichen werden können. Mit zahlreichen Filtern lässt sich danach der gesamte Messeauftritt auf bestimmte ­Parameter hin analysieren.

www.snapaddy.com

Hintergrund: Was sind Messe-Apps und was können sie?

Im Zuge des Smartphone-Booms und allgegenwärtiger Vernetzung sind Programme entwickelt worden, die den Messebesuch erleichtern und angenehmer gestalten sollen. Alle großen Messe- und Event-Veranstalter bieten mittlerweile eigene Apps für die gängigen Smartphone-Betriebssysteme an, daneben gibt es einige Software-Anbieter, die sich an professionelle Anwender richten.

Der Funktionsumfang variiert von Programm zu Programm je nach Ausrichtung. Standard sind Aussteller- und Produkt-verzeichnisse, Pläne der Ausstellungsfläche sowie ein Veranstaltungskalender. Professionelle Lösungen bieten um einiges mehr und sind meistens kostenpflichtig.

Die meisten Messe-Apps setzen iOS oder Android voraus, Windows Mobile wird selten unterstützt. Das linuxbasierte Sailfish OS kann viele Android-Apps ausführen, und damit auch so manche Web-App.

Foto: SIC!

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