Die weltgrößte Uhrenmesse Baselworld hat von 21. bis 26. März 2019 stattgefunden und musste durch schwierige Gewässer manövrieren. Mit neuen Ideen und neuem Management soll es wieder aufwärts gehen. 

Die Schweiz wird in der internationalen Wahrnehmung gerne auf ein paar Klischees reduziert: eine heile Bergwelt mit Heidi und dem Alm-Öhi, Skisport, herzhafter Käse in allen Variationen und natürlich Uhren, die alleine schon wegen der sprichwörtlichen Schweizer Pünktlichkeit mit höchster Präzision arbeiten. Bildungsbürgern und Kunstinteressierten mag noch das Züricher Cabaret Voltaire einfallen als Ursprungsort des Dadaismus, der Künstler Hans Ruedi Giger mit seinen verstörenden Bildern, oder die renommierte Neue Zürcher Zeitung, das war es dann aber schon.

Uhren spielen tatsächlich eine große Rolle im Wirtschaftsleben der Schweiz, verkörpern sie doch eine Rafinesse und Detailverliebtheit, die heute nur noch wenigen Produkten innewohnt. Und das macht sie nicht nur zum Objekt zahlreicher Liebhaber, sondern auch zum stabilen Investment. 

Oase des ungetrübten Luxus 

Noble Uhren, so sollte man annehmen, entziehen sich auf elegante Weise jenem Lauf der Zeit, dessen Wahrnehmung ja ihren eigentlichen Zweck darstellt. Mit einer gehörigen Portion Swissness ausgestattet, könnten Schweizer Uhren eigentlich eine Nische darstellen, die nicht von kurzlebigen Trends und hektischen Modellwechseln bestimmt wird. Doch weit gefehlt: auch die Uhrenbranche leidet mittlerweile darunter, dass die Käuferschicht kleiner wird. Eine teure Uhr als Statussymbol mag längst nicht mehr jeder tragen, zu leicht wird der Besitzer in eine Ecke gestellt mit unredlichen Zeitgenossen, die ihren Wohlstand auf dem Rücken anderer erworben haben. Diesem Verdacht will sich kaum noch jemand aussetzen.

Eine andere Problemzone stellt der riesige Markt mit billigen Nachbauten dar, der kaum zu kontrollieren ist. Zu allem Überfluss hat sich längst der Lifestyle des Uhrenthemas angenommen. Querdenker Nikolas Hayek ist einer der ersten Uhrenbauer gewesen, die mit unkonventionellen Ideen die Branche aufgemischt haben. Neuerdings droht auch noch Gefahr von Computerherstellern, die Uhrenträgern ihre vernetzten Smart Watches an das Handgelenk binden möchten. 

Tradition und Moderne

Nikolaus Hayek und seine Firma Swatch sind es auch, die zu den größten Kritikern der Basel World zählen. Heuer war die Swatch Group nicht mehr als Aussteller dabei, die große Standfläche blieb leer und wurde kurzerhand zum Pressezentrum umgewidmet. Und das, wo schon 2018 nur noch halb so viele Aussteller zur Baselworld strebten wie im Jahr davor. Zur Hochblüte sind es einmal 2.000 Aussteller gewesen, rund 700 sind es heute. Michel Loris-Melikoff, der neue Managing Director der Baselworld, will sich nicht geschlagen geben. Mit einer Neuausrichtung auf Rahmenevents und eine Verschmelzung mit der digitalen Welt soll das Messekonzept fit werden für die Zukunft.

An Enthusiasmus fehlt es dem neuen Manager nicht, und vielleicht gelingt es ihm ja, den Funken überspringen zu lassen auf die Uhrenbranche und deren erweiterten Rahmen. Sicher ist nur, dass das ursprüngliche Messekonzept, das jahrzehntelang prächtig funktioniert hat, grundlegend revidiert werden muss. „Die Zukunft beginnt jetzt“, tönt es hoffnungsfroh seitens der Baselworld-Veranstalter. Die Baselworld 2020 wird zeigen, ob der große Umbau erfolgreich ist.

Foto: Christophe Chammartin

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